Meine erste Lehmbaustelle, bei der ich im Sommer 2009 regelmäßig mithalf, fand ich durch meine aktive Suche nach Lehmbaustellen. Über den Lehmbaukontor Berlin Brandenburg e.V. baute ich Kontakt zu dem Bauherrn und Bauleiter Torsten Heer auf. Er setzte die eigene Planung seiner „Lehmschnecke“ in Wilhelmshorst um. Sein heutiges Zweifamilienhaus ist zweigeschossig mit Keller.  Die gesamte Konstruktion (außer der Keller, der aus einer Stahlbetonsohle und gemauerten Wänden ist) besteht aus einem Holzfachwerk, dessen Gefache mit selbst angefertigten Lehmsteinen in zwei Schalen verfüllt wurden. Die äußere Schale besteht aus Leichtlehmsteinen mit einem hohen Strohanteil und somit einer guten Wärmedämmung und die innere Schale aus schwereren Lehmsteinen mit einem höheren Lehm- und Sandanteil. Somit ist der Schallschutz und die Wärmedämmung gewährleistet. Die Zwischendecken sind aus Holzbalken mit einer darüber liegenden Dielung. Unterhalb der Dielung sollten Äste quer zwischen die Holzbalken in eine Nut geklemmt werden, die die Unterkonstruktion für ein Lehm-Stroh-Gemisch darstellt. Somit wurde die Schalldämmung zwischen den beiden Wohnungen sicher gestellt. Innenwände wurden in organischer Form aus selbsthergestellten massiven Lehmsteinen gemauert. Für die flach geneigte Dachfläche wurde ein Gründach vorgesehen. Meine Aufgabe auf der Baustelle war hauptsächlich das Vermauern der Lehmsteine im Außenbereich und das Erstellen der schalldämmenden Unterschicht der Holzbalkendecken mit Ästen und einem Lehm-Stroh-Gemisch. Ebenso lernte ich das Herstellen der massiven Lehmsteine für die Innenwände und vermauerte diese zu einem Badezimmer.
Die Baustelle in Oehna wurde im Juli 2011 von der Arcana Baugesellschaft mbH in Luckenwalde organisiert. Hier lernte ich den Strohballenbau erstmals in der Realität kennen. Aktiv arbeitete ich auch hier an der Fassade mit. Die äußeren Strohballenoberfl ächen mussten mit Lehmschlemme ordentlich eingerieben werden, damit der spätere Lehmputz guten Halt hat. Bei meinen Baustellen- und Workshoperfahrungen habe ich interessante Menschen kennengelernt, die mich auch über die Baustelle hinaus geprägt haben. Menschen, die sich eine solche Art von Haus bauen sind Individualisten. Sie haben einen interessanten und abwechslungsreichen Lebensweg hinter sich und spannende Träume vor sich. Wer würde schon 6 Jahre an seinem Wohnhaus bauen? Trotz der expressiven und individualistischen Architektur der beiden Baustellenprojekte, sind einige Ansätze sehr richtig und weiterzudenken. Am meisten begeistert mich der Gesundheitsfaktor des Baumaterials Lehm sowie der sehr hohe mögliche Anteil an Eigenleistung und die dadurch geringen Kosten. Die Formensprache kann aber gern etwas sachlicher und klarer ausfallen.