Die Dörfer Κρανιώνας (Kranionas) und Γάβρος (Gavros) in der Nähe von Καστοριά (Kastoria) im Norden Griechenlands liegen kurz vor der albanischen und mazedonischen Grenze. Hier gibt es noch traditionelle Lehmhäuser, die ich im April 2011 besichtigte. Da die Dörfer heute nicht mehr bewohnt sind und die umliegende Gegend sehr schwach besiedelt ist, gibt es in der Gegend keine Busverbindungen. Deshalb gelang ich per Anhalter in die Gegend und erledigte die letzten Meter zu Fuß. Die Wohnhäuser stehen heute noch fast wie zu ihrer Bauzeit. Sie hielten den heutigen Erdbeben in den 1970er Jahren stand. Dennoch wird heute oft behauptet, Lehm sei kein angemessenes Baumaterial in Erdbebengebieten. Die Bauweise der traditonellen Lehmhäuser in den beiden Dörfern folgt einer bestimmten Typologie, die an dieser Stelle nur vereinfacht dargestellt werden soll. Die Wohngebäude sind zweigeschossig. Im Erdgeschoss befinden sich vorwiegend Ställe und Lagerräume mit Hauswirtschaftsräumen und im Obergeschoss der Wohnbereich. Über eine meist innenliegende Holztreppe wird das Wohngeschoss erschlossen. Häufig befinden sich kleine hölzerne Balkone im Obergeschoss. Die Außenwände bestehen aus maßiven Lehmsteinwänden. Zur Verbesserung der Statik wurden nach einer bestimmten Höhe in den Außenwänden eine Lage gebrannte Ziegel oder flache Steine eingelegt. Die Öffnungen sind sehr klein und durch zweiflügelige Holzfenster mit Oberlicht geschlossen.
Die Holzbalkendecken sind in den Gefachen mit Lehm verfüllt. Dieser wird durch das Einklemmen von Ästen quer zu Balkenrichtung stabilisiert. Das Dach ist mit einer Mönch-Nonnen-Deckung gedeckt. Unterhalb gibt es ein Gesims aus Lehmsteinen. Im Innenraum gibt es Wandschränke, die mit Holztüren geschlossen werden können.
Leider wird der traditionellen Lehmbauweise in Griechenland nicht viel Beachtung geschenkt. Es gibt aber einige Vereine, die sich dafür einsetzen. So besuchte ich zum Beispiel Ανέλιξη (Anelixi, Dt.: Entwicklung) in Thessaloniki und die Μηχανικοί της Γης (Michaniki ths Gis, MtG; Dt.: Ingenieure der Erde) in Athen. Anelixi hat u.a. die traditionellen Lehmbauten typologisch analysiert und die MtG arbeiten daran, eine Lehmbaurichtlinie zu entwickeln. Zusätzlich werden von beiden viele Workshops in internationaler Kooperation organisiert.